Leserbrief zum Proud to be Punk #14

Das Krankenhaus

Jeder von euch der schon einmal längere Zeit in einem Krankenhaus zugebracht hat wird mir nachfühlen können und wissen, dass es anstrengend ist in einem Zimmer mit 3, in meinem Fall, Männern kurz vor oder nach dem einsetzen des Rentenalters. Welches in unserer Gesellschaft, unserem Land, ja als höchstes Ziel herbei gesehnt wird. Den ganzen Tag Geschichten über Krankheiten, die DDR, die Arbeit und das Fernsehprogramm. Aufregend! Körpergerüche und Krankenhaustypische Gerüche 24h jeden Tag und momentan kein Ende in Sicht.
Froh war ich , das Proud to be Punk #14 mit in meine Zelle genommen zu haben, hat aber nur anderthalb Tag gedauert dann war jede Zeile durch meine Netzhaut im Gehirn angekommen. Etliche Zeilen haben dieses mal auch wieder ordentlich was zum rotieren gebracht. Das Interview mit Paaya (Drunk´n Osten) hat einiges an Erinnerungen zu Tage getragen. Sein es eigene Besuche auf dem Mayday Festival oder die Auftritte gemeinsam mit Critica Radicale,Pavilionul 32, Molotov Cocktail, die Erlebnisse auf Touren in Rumänien und auf dem Weg dort hin und, und, und! Wenn ich wieder daheim bin werd ich definitiv meine Terror Art und Paragraf 119 Tapes heraus kramen.

Besonders bewegt in #14 hat mich aber der krasse Gegensatz und die Gegensätzliche Gemeinsamkeit zwischen den Aussagen von Paaya und Chris (Commi Bastards)! Nach wie vor beschäftigt mich das Interview mit Chris sehr. Der Kommunismus in seiner theoretischen Reinform könnte funktionieren, aber wie Marx selbst schon erkannt hat nicht mit dem Menschen der sich dem in den Weg stellt. Unser herrschendes Gesellschaftssystem macht es noch schwieriger denn die Arbeiter die eine Revolution durchführen sollen scheitern an ihrem eigenen Willen und der Angst ihre Rente zu verlieren, womit wir wieder im Krankenhaus wären. Davon mal abgesehen stört mich am Kommunismus die Klassentrennung, das Wort TRENNUNG ist hier ausschlaggebend. Diese Klassen gibt es heute schon, liebevoll wird dieses Phänomen Sozialrassismus genannt. Der Neugeborene Mensch gehört einer bestimmten Sozialen Schicht an, ohne dass seine Fähigkeiten dafür ausschlaggebend sind. Staatlich und gesellschaftlich wird dies gefördert wie ich jetzt noch an einigen Beispielen deutlich machen könnte. Ich belasse es aber dabei denn das ganze Thema kann ich in meinem Leserbrief nur verkürzt anschneiden. Leider!

Wir brauchen eine andere Grundlage auf der unsere Gesellschaft basiert, doch WIE kommen wir dort hin? Die Frage ist verdammt existentiell, wir haben gute Ansätze wie eine andere Gesellschaft funktionieren kann. Ich zähle mich hier übrigens zu der Gruppe die eine Anarchistische und Basisdemokratische Gesellschaft favorisieren würde. Wichtig ist denke ich das wir einen guten Kompromiss finden und der Kapitalismus ist definitiv keiner denn das ist eine Diktatur. Innerhalb der Linken und Alternativen Politik sollten wir uns jedoch einigen welches gemeinsame Ziel wir verfolgen. Einig sind wir uns oft nur wenn es Gegen Nazis geht oder im Allgemeinen Gegen etwas, sollen wir aber mal FÜR etwas sein fangen wir an uns in endlosen Grundsatzdiskussionen zu verstricken weil wir es verlernt haben die Meinung eines anderen zu akzeptieren, auch wenn wir selbst immer Toleranz propagieren. Ich bin auch der Meinung das parallel verschiedene Formen existieren könnten, wenn die Menschen sich gegenseitig wieder respektieren würden und endlich aufhören dem Gegenüber seinen Willen oder gar seine Meinung aufzudrücken. Selbst in der Linken ist dies ja leider gängige Praxis. Wenn ich es persönlich nicht gut finde was der Staat Israel macht, sehe ich es nicht ein auf einer Demo hinter einer Israelflagge zu laufen. Ich laufe auch nicht hinter einer Deutschlandfahne her, warum auch? Absurd! Ich schweife aber schon wieder ab, kommen wir zurück zum Krankenhaus. Wenn ich mir vormittags den Spiegel durchlese und merke wie verbohrt und bescheuert unsere Welt tickt, wie tief verwurzelt der Kapitalismus ist. Mittags dann die Alltagsrassistischen, Pro Atomkraft und … Bemerkungen der Schwestern und meiner Zimmergenossen anhöre dann wird die „WIE“ Frage immer existentieller!

In Stuttgart gehen 30.000 Bürger auf die Strasse um einen Bahnhofsbau zu verhindern (davon mal abgesehen ist dies echt eine überdimensionale Geldverschwendung was dort passieren soll). In Hamburg schaffen es Anwälte und „Besser Gestellte“ (sie sehen sich selbst so) eine dringend notwendige Schulreform zu kippen. In Bayern hat ein Junge Union Fuzzi nichts besseres zu tun als einen Volksentscheid mit 1,3 Millionen gesammelten Unterschriften anzustreben, der mit 61% ein radikales Nichtrauchergesetz durchbringt (hinter die 61% geschaut, i.v.m. mit der Wahlbeteiligung haben 23% für das Totale Rauchverbot gestimmt). Den Sozialabbau, Kürzungen in der Jugendarbeit, Übergriffe von Nazi´s, Waffengeschäfte von Pharmakonzernen, Kinderarbeit für H&M Klamotten, Kaffee und Schokolade, Milliardengewinne der Energiemächte RWE, EoN und wie sie alle heißen bei einer Laufzeitverlängerung ihrer Meiler über 2022 hinaus nehmen sie hin. All das ist den Leuten egal denn die Entfremdungstheorie lehrte uns und die 68´er Bewegung radikalisierte ihn, den Individualismus, den Egoismus und diese „jeder ist sich selbst am nächsten“ Mentalität. Heute sehen wir das Ergebnis, es geht nur noch um die eigenen Vorteile die Gesamtgesellschaftlichen sind einem völlig egal. Die Masse der Bevölkerung geht doch heute, wenn sie überhaupt aktiv wird, nur noch auf die Strasse wenn sie persönlich betroffen sind oder einen persönlichen Vorteil daraus zieht. Wie erklären wir nun den Menschen das dieses System in dem sie gefangen sind Scheiße ist und nur durch sie gestürzt werden kann? Wie erklären wir das Menschen die blind pauschalen Aussagen eines Herrn Sarrazin zu jubeln? Warum schreibt eine „Bild“ Zeitung nichts von den aktuellen Zu- und Abwanderungszahlen, nur als Bsp. in Deutschland gab es 2009 40.000 Auswanderer in die Türkei und dem gegenüber 30.000 Zuwanderer. Hallo! 2008 gab es in Deutschland 233 Asylbewerber, 233 zu 80 Mill., und es wird trotzdem weiterhin gehetzt und geteufelt was das Zeug hält. Warum liebe Medien? Warum gebt ihr den Menschen nicht wenigstens die Chance eine eigene Meinung zu entwickeln? Wie erklären wir den Bevorteilten in der westlichen Welt das eine Güter und Nahrungsverteilung möglich ist, niemand Hungern müsste, Kriege sinnlos und MENSCHEN, MENSCHEN sind. Wie kommen wir zu unserem Ziel, wenn wir es gemeinsam formuliert haben, wie leben wir unseren Traum in einer Welt der Banken, Konzerne, des Ego und Individualismuses. Jeder für sich? Nein Danke, nicht mit mir! Nach einem Jahrzehnt des Demonstrierens, des Diskutierens, des Zuhörens, des Lesens und des Nachdenkens ist das WIE in meinem Kopf beständiger als je zuvor.

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