Redebeitrag 29.11.2019 – Grimma

„Los komm wir sterben einfach aus..
Alles ist besser, als ein weiterer Tag an dem wir den Planeten ruinieren.“
(Die Ärzte – Abschied 2019)

Denkt man über diese Textzeilen nach und sucht nach einer Möglichkeit, den durch den Menschen beschleunigten und produzierten Klimawandel JETZT zu stoppen, erscheint dieser Rückschluss, in Anbetracht der Ignoranz vieler Erwachsener, der ständigen Verletzung von Abkommen durch Staaten und die immer wieder neuen Ausreden von Firmen und Lobbyverbänden irgendwie als effektivste Möglichkeit. Der Schutz und vor allem der Erhalt unseres natürlichen Lebensraumes scheint vielen egal zu sein, Bauern und Landwirte machen Demos damit sie weiterhin Gülle (für die jeder Mensch irgendwie Entsorgungsgebühren zahlen muss) auf Feldern entsorgen können oder das sie nicht mehr ganz so viel Geld verdienen, weil sie darüber nachdenken müssen wie sie Felder und den Boden nachhaltiger und Umweltschutzgerechter bestellen sollen. Das sind eine Vielzahl von Fragen und eine Vielzahl von Menschen und Kapitalist*innen die es irgendwie zu überzeugen gibt. Ich selbst bin kein Experte was Klimafragen betrifft, aber ich habe Erfahrung und mittlerweile eine gewisse Expertise was Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung betrifft und hier besonders was den Willen und die Kraft von Utopien und Träumen der Jugendlichen betrifft.

Nachdem ich letzte Woche durch die Klimastreikwoche, auch an der HTWK in Leipzig an eine Menge Infomaterial zum Thema Klima ran kam, kann ich mittlerweile sagen das es eine 97%ige Gewissheit gibt das der Klimawandel durch den Menschen beschleunigt wird. 97% reichen mir und wenn sich die Klimaleugner*innen auf die 3% stürzen dann sollen sie dies tun. Ich jedenfalls möchte nicht in einem Boot sitzen das mit 97%iger Wahrscheinlichkeit sinken wird.

Ein interessanter Aspekt in dieser Thematik sind die Verbindungen der Wörter Ökologie & Ökonomie.
Beide tragen das Vorwort Öko, welches von dem altgriechischen Wort οἶκος oĩkos „Haus“ hergeleitet wird. Ökonomie bedeutet heute (verkürzt) die Summe und Beschreibung aller menschlichen Aktivitäten die der Bedürfnisbefriedigung dienen.¹ Ökologie hingegen beschreibt sämtliche Beziehungen der Lebewesen untereinander und besonders dies zur Umwelt.²

Das bringt uns sofort zu dem Aspekt das vieles über was wir reden einfach auch mit unseren Bedürfnissen zu tun hat. Über genau diesen Aspekt der Bedürfnisse gestaltet sich dann eben auch unsere Beziehung zur Umwelt. Als ich irgendwann vor 10+X Jahren aufgehört haben Fleisch- und Fischprodukte zu essen und darauf zu achten woher mein Kaffee kommt, was ich für Sachen kaufe oder welche Zahncreme und Hygieneartikel ich nutze und kaufe gab es kaum ein Angebot was dem entsprach. In Grimma ist es heute noch schwer sich vegetarisch und vegan zu ernähren und meist zahlt man* dafür dann auch noch wesentlich mehr. Aber es hat sich geändert, irgendwann gab es im Aldi dann auch mal so eine kleine Abteilung im Kühlregal mit vegetarischen und veganen Produkten und ich denke mit einem Bioladen sind wir mittlerweile auch gut versorgt. Allerdings sagt das sehr viel aus, denn bereits dort hat ein Wandel eingesetzt und der drückt unterm Strich aus das wir als Konsument*innen einen Einfluss haben wenn die Nachfrage steigt. Die Nachfrage entsteht mit den Bedürfnissen der Menschen und wenn sich diese wandeln dann werden wir einen enormen Beitrag dazu leisten können das unsere Welt eine andere wird. Somit kann die Ökonomie einen gewaltigen Einfluss auf die Ökologie und eben auf den Menschen gemachten Klimawandel nehmen der metaphorisch gesprochen unser Haus gerade einstürzen lässt und vielen ist eben noch nicht klar das es keinen Planet B gibt.

Das entscheidende für mich an der Fridays for Future Bewegung ist, das enorm viele junge Menschen über ihre Bedürfnisse nachdenken und somit zukünftig einen enormen Einfluss auf den Markt und das Angebot haben werden. Ein kapitalistischer Supermarkt wird irgendwann aufhören massenhaft Fleisch aus Massentierhaltung in seine Regale zu stellen wenn es keiner mehr kauft. Heute müssen viele von euch noch ihre Eltern überzeugen andere Produkte zu kaufen, aber bald könnt ihr dies selbst bestimmen und das ist für mich der entscheidende Punkt an der Fridays for Future Bewegung. Besonders glücklich macht es mich auch zu sehen das sich auch in Grimma Jugendliche darüber Gedanken machen, denn wie wir wissen ist die Stadt Grimma in letzter Zeit nicht gerade durch Innovation und Jugendfreundliches Verhalten aufgefallen. Deshalb umso schöner das ihr euch davon nicht einschüchtern lasst.

Der Wert einer Gesellschaft bemisst sich daran wie sie mit den Schwächeren, den Benachteiligten und vor allem mit der Ungleichheit in ihr umgeht. Das ist Macht und daraus entsteht eben ein Machtgefälle, besonders gegenüber der 3. Welt. Die größten Probleme werden eben zuerst die Menschen in den warmen Regionen Afrika’s oder Asien bekommen denn dann einfach der Lebensraum genommen wird. Die Menschen in diesen Regionen können die rapiden Auswirkungen und veränderten Bedingungen des Klimawandels eben nicht abfedern, wie wir in unserer Komfortzone Europa, mit unserem ganzen Geld und Luxus. Das ist Macht, Macht gegenüber Menschen die von sich aus an dieser Situation nichts ändern können, denn das müssen wir schon tun.

Wer will findet Lösungen, wer nicht will findet Gründe! Genau deshalb macht es viel mehr Sinn mit euch, als mit den Klimaleugner*innen oder der Regierung zu sprechen, die eh nur dauernd ihr Abkommen ignorieren. Ihr findet Lösungen und das ist das tolle an euch!

Was werdet ihr essen? Welches Auto werdet ihr fahren, werdet ihr überhaupt eins besitzen oder teilt ihr euch mit 5 anderen rein? Welche Sachen werden ihr tragen, wie werdet ihr leben? Wie geht ihr mit der Macht um, die ihr gegenüber der Natur, den Tieren und durch eure/unsere privilegierte Herkunft ggü. anderer Menschen ohne diese Privilegien habt.

Wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen, ob nun mit der Besetzung von Tagebaugebieten, der Forderung nach mehr Diesel und Benzinsteuer oder unserem eigenen Kaufverhalten dann bleibt der Klimaschutz nicht nur ein Wort sondern er ist uns ein Bedürfnis! Genau so wie es ein Bedürfnis ist die Hoffnung für eine andere Welt nicht aufzugeben, auch wenn wir diesen Spruch schon 2008 auf einem Banner beim G8 Gipfel in Heiligendamm vor uns her getragen haben. Es bleibt dabei…

Another world is possible…!!!

euer Pudding

¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft (verfügbar am 01.12.2019)
² https://de.wikipedia.org/wiki/Ökologie (verfügbar am 01.12.2019)

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