Irgendwann hatte ich mir angewöhnt vor großen Veranstaltungen oder Festivals, ca. 1h vor Beginn mit allem Orga und Aufbau Kram fertig zu sein um noch einmal kurz runter zu fahren und um tief durch zu atmen, bevor es dann für 48 oder 72h intensiv wird.

2016 stand ich mit einer Gruppe von Jugendlichen, von denen sich einige in den Kopf gesetzt hatten ein Reggae Open Air zu veranstalten, bei dem im Sinne der Solidarität alle mit halfen, in der 2. Etage der Alten Spitzenfabrik in Grimma, in genau dieser einen Stunde vor Festival Beginn. Dabei muss man* wissen das ich Reggae oder besser gesagt diese esoterische Hippie – Batik – „ich lieg im Gras und beobachte die Grashalme, wodurch die Welt besser wird“ – Kultur nicht so wirklich mag, aber um mich geht es eben beim Projekt nicht. Als wir dort so standen sagte ich zu den Jugendlichen: „das ist eure Veranstaltung, euer Projekt“! Damals war mir noch nicht ganz klar was ich da gesagt habe und welche Tragweite dies noch haben sollte. Denn nun haben wir 2019 und ich habe mich schlussendlich dann doch etwas radikaler von dem Projekt „Dorf der Jugend“ und den Jugendlichen trennen müssen als ich dies geplant und mir vielleicht auch gewünscht hatte.

So wirklich hatte ich noch nicht die Gelegenheit dies vollumfänglich zu erklären und tatsächlich interessiert hat dies, trotz der recht hohen medialen Präsenz, auch niemanden. Vielmehr hat mich aber gestört das bisher noch nicht wirklich klar geworden ist, was denn das Projekt „Dorf der Jugend“ überhaupt war und ist und vor allem was dies für mich persönlich bedeutet und das dadurch Dinge sichtbar geworden sind, die dazu geführt haben das ich Entscheidungen getroffen habe die im Jahr 2019 mein eigenes Leben grundlegend verändert haben und es nach wie vor tun. Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag versuchen euch den ein oder anderen Gedankengang näher zu bringen!

…euer Projekt!

Ich habe mir als Jugendlicher immer einen richtig schönen Punker oder Zeckenschuppen in Girmma gewünscht, romantisiere für mich heute noch Hausbesetzungen und träume von einem Ort an dem ich mich frei und als eigenes selbstbestimmtes ICH fühlen kann. Über Proberäume, die auch als Clubräume und kleine Veranstaltungsräume herhalten mussten ging es aber nie hinaus. Geschafft haben wir es zu einer Menge temporärer Party’s, die teilweise heute noch durchgeführt werden. Ob nun das Crossover Festival oder die Weihnachtsparty, alles Veranstaltungen die einem das Gefühl gegeben haben das Grimma doch nicht dieser langweilige und triste typisch sächsisch menschenfeindlich geprägte Ort ist, wie es so viele in den Ostdeutschen Bundesländern gibt. Irgendwann, so ab 2010 merkte ich jedoch das mein Freundeskreis und ich dann doch immer älter werden, Kinder, Häuser und die eigenen Firmen oder Jobs immer stärkere Rollen in unserem Leben und unserer Freizeitgestaltung einnahmen. So kam es dazu das ich mich auch irgendwann von dem Traum verabschiedete diesen Ort in Grimma zu haben, an welchem ich, ICH sein kann. Konzi’s stattfinden und politische Diskussionen durchgeführt werden oder sich darüber der Kopf zerbrochen wird wie Solidarität praktische alltägliche Realität werden kann. Für mich und meine Sozialisation hatte ich dies zu den Akten gelegt, dafür waren wir als Gruppe nicht groß, nicht alternativ und nicht politisch genug, oder waren zu sehr mit uns beschäftigt, aber egal denn wir hatten eine schöne Jugend. Schlussendlich ging es aber darum wie geht es weiter wenn wir nicht mehr diese Konzerte, Party’s oder Festivals veranstalten. Was passiert dann mit Grimma? Wird es genau so ein typisch sächsisches unfreundliches Städtchen? Die Antwort lautet ja, denn ich denke viele waren froh das es immer weniger wurde und zunehmend Ordnung und Befriedung in dieses Kleinod einkehrte. Viele engagierte junge Menschen nach uns zogen einfach weg. Es war ja auch irgendwie ruhiger geworden und jeder Jugendliche wird irgendwann mal erwachsen sofern er oder sie nicht in den Club der 27iger eintritt! Doch Jugendliche wachsen nach und das ist verdammt gut für die Entwicklung unserer Gesellschaft.

Also war der Gedanke gar nicht so abwegig irgendwie etwas zu konstruieren was zum einen, bestehendes erhält und gleichzeitig Neues schafft. Eine Möglichkeit zu schaffen wie die aktiven Jugendlichen von gestern, den aktiven Jugendlichen von heute mit ihren Firmen, Jobs und Kompetenzen unter die Arme greifen können und somit Grimma nicht vollständig zu dem wird was aus vielen Kleinstädten in ländlichen Räumen, Ost wie Westdeutschlands geworden ist. Diese Überlegungen passierten zu einer Zeit als ich im zweiten Bildungsweg noch einmal Soziale Arbeit studierte. Tatsächlich aus der Motivation heraus auch endlich selbst professionelle Jugendarbeit machen zu dürfen und nicht immer Sozialarbeiter*innen neben mir zu haben die, die Professionalität gewährleisteten weil meine bisherige Ausbildung das nicht her gab! In dieser Zeit stellte ich fest das durch Kürzungen und radikale Einschnitte die fähigen Sozialarbeiter*innen die Jugendarbeit verließen und durch die Unfähigkeit, derer die zurück blieben, mit Jugend zu interagieren es kaum noch gut funktionierende Jugendarbeit in ländlichen Räumen gab, die welche sich noch bemühten bekamen keinerlei Unterstützung aus Politik und Gesellschaft und verließen auch recht schnell das Arbeitsfeld. Dort dachte ich mir, ok wo soll dies bitte hinführen? Wo es hinführt wissen wir heute 2019 alle und alle zerbrechen sich auch darüber den Kopf, aber Fehler die einmal in Gesellschaft gemacht werden lassen sich eben nicht einfach umkehren, nein sie müssen über Generationen wieder hinaus wachsen. Aber wie das schaffen wenn alle den ländlichen Raum verlassen und es keine Möglichkeiten mehr gibt das Jugendliche sich ihre eigenen Angebote gestalten und einfach auch mal Jugendliche sein dürfen. Genau in diesem Spannungsfeld entstand erst die Idee das Crossover Festival an eine jüngere Generation weiter zu geben und durch die Erkenntnis das ein Festival nicht wirklich nachhaltig ist, entstand die Idee vom „Dorf der Jugend“.

Viele denken immer das dies irgendwie passiert ist und reduzieren damit auch das Projekt und die Inhalte des Projektes auf meine Person, aber dem ist nicht so und dem war von Anfang an nicht so. Mein Anspruch war es eine pädagogische Konzeption der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln die eben genau das schafft was das Projekt „Dorf der Jugend“ heute schafft und ist. Deshalb ist es nicht mein Projekt sondern das Projekt der Jugendlichen die sich darin bewegen. Selbst ein Jugendamt im Landkreis Leipzig konnte dies, als zuständige Fachbehörde, nicht verstehen und reduzierte gesamte Prozesse der Adolesenzphase junger Menschen auf meine Person, was auch eine enorme Rolle bei Entscheidungen im Jahr 2019 gespielt hat.

Schlussendlich kann ich sagen, das ich mit Hilfe einer pädagogischen Konzeption der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ein kostenfreies Festival an eine junge Generation übergeben konnte, es gibt nun in Grimma einen Ort an dem sich Jugendliche entfalten und sie selbst sein können und an dem Diskriminierung und Menschenverachtung keinen Platz findet. Diesen Ort, die Alte Spitzenfabrik, haben sich Jugendliche selbst geschaffen und genau deshalb ist es IHR PROJEKT! Jetzt gilt es mit den wieder nachwachsenden Jugendlichen zu arbeiten und dann werden wir in zehn Jahren sehen was die, gemeinsam mit den Jugendlichen von vor 20 Jahren, mit denen von vor 5 Jahren, mit denen von heute gemeinsam geschaffen haben und so kann aus dem …euer Projekt ein Projekt aller werden und so können wir über Jahrzehnte hinweg daran arbeiten das sich eine mittlerweile fest verankerte jugendfeindliche und besonders konservative Hegemonie in Grimma wieder aufbrechen lässt und sich junge Menschen hier entfalten und finden können.

Hegemonie in Grimma

Im Oktober durfte ich an der FH in Kiel eine Ringvorlesung mit dem Thema „Jugendarbeit inmitten rechter Hegemonie – Das Beispiel Grimma“ halten. In der Vorbereitung zu der Vorlesung reflektierte ich das Jahr 2019 und alles was im Vorfeld passiert war um das Thema überhaupt zu treffen und um darauf aufmerksam zu machen was die Schwierigkeiten sind mit denen man* als Sozialarbeiter*in bei dieser Arbeit konfrontiert ist. Für gewöhnlich arbeite ich nicht gern mit den Begriffen Rechts, Links und Mitte da sie mir viel zu pauschal sind und sich auch nicht eignen um Gesellschaft zu beschreiben, schon gar nicht in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Denn ich arbeite in erster Linie mit Jugendlichen, und die stecken glücklicherweise noch nicht in einem geschlossenen Weltbild fest, was keinen Spielraum mehr zulässt. Aktuell sind sehr viele Projekte und Sozialarbeiter*innen damit konfrontiert das ihnen von der Politik unterstellt wird nicht neutral zu sein und ja das sind sie nicht, denn es gibt keine Neutralität. Wenn der Auftrag lautet Jugendliche dabei zu begleiten eigenständig und selbstständig denkende Menschen zu werden, wäre es doch fatal wenn es dabei nicht auch um Meinung gehen würde und jede*r Sozialarbeiter*in darf eine persönliche Meinung haben, professionell steht da jedoch das Grundgesetz drüber und dies sagt uns dann eben etwas über die Gleichheit der Menschen und Freiheitsrechte und das es nicht gut ist Menschen wegen irgendetwas zu diskriminieren. Eigentlich alles ganz selbstverständliche und eindeutige Aussagen, auch unser Bundesverfassungsgericht hat in Verfassungsschranken eindeutig festgelegt das Rassismus und eine Verherrlichung des Nationalsozialismus und alle damit verbunden Verbrechen eben nicht zu rechtfertigen sind und dort auch die Meinungsfreiheit und die Toleranz seine Grenzen hat.

Doch was hat das alles mit Grimma, den Jugendlichen und vor allem der Hegemonie zu tun?

Hegemonie umschreibt nach Gramsci und Haug kurz gesagt „einen Typus von Herrschaft, der im Wesentlichen auf der Fähigkeit basiert, eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen“. Diese Hegemonie und den Wandel der Interessen habe ich im Jahr 2019 zu spüren bekommen welche dazu geführt hat das ich für mich Entscheidungen treffen musste die es mir nun ermöglichen einen solchen Text zu schreiben. Ich habe im Jahr 2019 nichts anderes gesagt als z.B. im Jahr 1999 oder 2009. Doch im Jahr 2019 stört es angeblich den sozialen Frieden in einer sächsischen Kleinstadt wenn man* sagt: man* ist Antifaschist oder Anarchist. Es stört den Frieden wenn man* sagt es ist nicht ok wenn ein Faschist wie Höcke im Rathaus der Stadt spricht oder sagt das die AfD eine durchweg menschenfeindliche Vereinigung von frustrierten weißen Männern mit liebe zu Dieselmotoren, Frauen am Küchenherd und Vollblut Neonazi’s ist. Es stört den Frieden wenn man* kritisiert das es einer Schule egal ist das sich eine als verfassungsfeindlich eingestufte Organisation wie die Identitäre Bewegung an ihrer Schule ausbreitet. Wo dieser Wandel begonnen hat und wo es begann das man* als Stadtrat, Kreisrat und besonders als Sozialarbeiter keine Kritik mehr äußern durfte weiß ich nicht. Was ich weiß ist, das diese Hegemonie allgegenwärtig ist und das die Interessen von konservativen und reaktionären Kräften mehr Ansehen und Gewicht haben als die Interessen von Jugendlichen die ihre Freizeit gestalten wollen oder die von einer Zukunft träumen die ohne Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung auskommt. Ich habe mich damit abgefunden das ich umgeben bin von Menschen und Erwachsenen denen die Jugend egal ist oder denen nur die Jugend etwas bedeutet die nach ihren Vorstellungen lebt. Doch womit ich mich nicht abfinden werde ist das alles so bleibt wie es war und ist. In Grimma möchten viele Menschen das alles so bleibt wie es war, sie haben sich ihr kleines Königreich aufgebaut und bestimmen mit ihren Interessen die angeblichen Allgemeininteressen. Dies hat leider Ausmaße angenommen das Menschen teilweise Angst haben etwas zu sagen. Ich hatte und habe dies Angst nicht, denn Königreiche, Feudalismus und Demokratien in denen konservatives bis reaktionäres denken die Mehrheit darstellt ist Entwicklungshemmend und das konnte ich noch nie richtig verstehen, denn Mensch sein bzw. Leben heißt Evolution oder stete Entwicklung und wenn man* verlangt das sich nichts mehr entwickeln soll ist man* und in dem Fall die Mikrogesellschaft einer Kleinstadt „tot“ und am Boden. Grimma liegt dort und der Beste Beweis dafür ist 2019. Vor 10 Jahren hätte der Bürgermeister dieser Stadt sich noch irgendwas einfallen lassen um zu verhindern das ein Faschist im Rathaus redet, 2019 warnt er vor den Menschen die sagen wollen das sie damit nicht einverstanden sind das ein Faschist, vor seinen hörigen Gefolgsleuten, im Rathaus spricht, denn die Teilnehmer*innen eines Festes der Demokratie könnten ja die Stadt in Schutt und Asche legen! Auch das ist Entwicklung aber eher in eine reaktionäre Richtung, aber all dies sind Punkte an denen sich eben diese Hegemonie und der gesellschaftliche Wandel so schön darstellen lässt. Deswegen werde ich Grimma und das Jugendamt des Landkreises Leipzig noch sehr lange als Negativbeispiel für den Umgang mit Jugend und den Umgang mit Menschenfeindlichkeit verwenden können, denn es geht hier nicht um organisierte Nazi’s oder eine besonders fähige und starke AfD, nein es geht hier um die fehlende Haltung zum Mensch sein von denen die sich als eine konstruierte Mitte bezeichnen und sich selbst als die Guten innerhalb dieser Gesellschaft verstehen.

#socialworker can’t be private

Enttäuschung trifft es denke ich am Besten wenn ich das zurück liegende Jahr in ein Wort fassen müsste. Enttäuscht von einer Stadt in der ca. 30% Faschisten super finden, enttäuscht von der Inkompetenz eines Jugendamtes und enttäuscht von einer Profession die sich Soziale Arbeit nennt und es nie geschafft hat den Menschen zu verdeutlichen was sie denn eigentlich macht.

Als ich damit begann die Idee vom „Dorf der Jugend“ umzusetzen war mir nicht klar was dies für persönliche Folgen haben könnte und an vielen Sachen trage ich eine erhebliche Teilschuld. Mir war klar das Jugendarbeit und auch Soziale Arbeit keine wirkliche Lobby und auch keinen wirklichen Praxisbezug in der Politik hat, also entschied ich mich, noch lang vor der Projektidee, in den Stadtrat zu gehen um dort ggf. eine andere Perspektive hinein zu bringen. Später entschied ich mich noch in den Kreistag zu gehen um dort für die Perspektive der Jugend und der Sozialen Arbeit zu sprechen. Dabei wurde immer klarer das diese Perspektive und meine anwaltschaftliche Funktion für die Jugend weder gewünscht noch verstanden wurde.

Ich grub mich also selbst immer weiter in die Arbeit ein und versuchte Möglichkeiten zu konstruieren und zu schaffen wie das Projekt und die Arbeit trotzdem möglich werden konnte. Dabei wurde meine Kritik an der Politik und den Erwachsenen sowie den Trägern der Jugendarbeit immer deutlicher und lauter. Das sie lauter wurde lag schlussendlich auch daran das die Arbeit an dem Projekt und der wachsende Fortschritt und die Entwicklung der Jugendlichen und ihrem Projekt nicht ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit stattfand. Im Jahr 2016 musste ich Menschen in Grimma erst einmal darüber aufklären was die taz ist, die mir und dem Projekt den Panterpreis verlieh. Kurz danach musste ich Kai Pflaume und Marius Müller-Westernhagen die Frage beantworten was man* denn als Sozialarbeiter in der Jugendarbeit so macht, als sie mir und dem Projekt die Goldene Henne in der Kategorie „Charity“ verliehen. Doch diese Erklärungen zu Jugendarbeit musste ich nicht nur dort führen sondern auch gegenüber Trägern wie der Diakonie, dem Jugendamt und besonders auch gegenüber Sozialarbeiter*innen die in dem Bereich arbeiten. Heute darf ich glücklicherweise an der HS Mittweida studierenden der Sozialen Arbeit die Idee von Jugendarbeit mit auf ihren Weg geben und werde zu Tagungen eingeladen wo ich anderen in der Jugendarbeit tätigen darüber berichten kann.

Durch all diese Sachen sind jedoch eine Menge Konfliktlinien aufgebrochen und ich kann heute sagen wo auch von mir Fehler in meinem professionellen Handeln gemacht wurden. Eine wesentliche Konfliktlinie ist die mangelnde Akzeptanz und das mangelnde Verständnis von Jugendarbeit und emanzipatorischer Jugendarbeit innerhalb der Sozialen Arbeit.

Eine Konfliktlinie die ich hoffentlich mit meinem weiterführenden Studium an der HTWK Leipzig weiter bearbeiten kann. Hier braucht es tatsächlich innerhalb der Profession einen Diskurs und ich bin gespannt ob es zu diesem kommt.

Privat habe ich es einfach mit der Jugendarbeit und dem Projekt übertrieben, ich habe mein Privatleben und meinen Freundeskreis vernachlässigt und konnte ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr wirklich das geforderte Nähe und Distanzverhältnis wahren. Ich war und ich bin nicht der Kumpel von den Jugendlichen mit denen ich arbeiten durfte, nein ich bin und ich war der Sozialarbeiter, aber diese Grenzen und Trennlinien verschwimmen wenn du die Jugendlichen auf Konzerten triffst, die für dich immer dein privater Rückzugsraum waren oder wenn du beginnst deine Freizeit in Grimma mit ihnen zu verbringen. So ist es vielleicht auch verständlich das alle irgendwie nicht das Projekt, sondern dich als Sozialarbeiter sehen. Somit auch alles was du machst, tust und vor allem sagst nicht mehr von dem Projekt trennen. So kam es dann wie es kommen musste, als die Diskussionen Anfang 2019 hoch kochten wurden die Jugendlichen und ihr Projekt verantwortlich gemacht für Aussagen und Kritik die ich getroffen hatte und das hatten sie nicht verdient. All diese Sachen führten dazu das ich für mich und das Projekt die Entscheidung traf in den Hintergrund zu rücken und die aktive Arbeit vollständig an eine neue Sozialarbeiterin und die Jugendlichen zu übergeben. Im Hintergrund spielen sich im Rahmen des Projektes genug Prozesse ab, die vor dem Rechner und am Telefon Aufmerksamkeit benötigen und denen werde ich mich zukünftig mehr widmen und tatsächlich macht es mir Spass den Jugendlichen und der Sozialarbeit den Bürokratischen Kram etwas vom Hals zu halten, da somit die tatsächliche Arbeit mehr in den Vordergrund rücken kann. Das die Jugendlichen diese aktive Arbeit auch selbst wunderbar und teilweise besser als bezahlte Sozialarbeiter*innen in der Offene Kinder- und Jugendarbeit können, zeigt die Verleihung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie an das Projekt oder die grandiose Durchführung des Crossover Festivals! Ich meine welche Jugendlichen schaffen es einen Jugendhilfeausschuss und ein Jugendamt fachlich und inhaltlich an die Wand zu diskutieren, so dass dieser Redeverbote in der Fragestunde für junge Menschen verteilt!? Dafür haben sie einfach jeden Respekt verdient!

Durch den Rückzug hoffe ich es wieder zu einem Privatleben zu schaffen und mich vielleicht doch wieder wohl zu fühlen, mit alle dem was ich so mache, weil ich den notwendigen Ausgleich dazu schaffen kann, schauen wir mal!

Let’s start it again

Nachdem wir unsere Band intern etwas reformierten, hieß so unser erster Song in neuer Konstellation und im Grunde trifft das auch für mich in meiner jetzigen Position zu! L.S.I.A – Angstbreaker (2016)

Ich habe, denke ich, im Bezug auf Grimma und die Jugendarbeit in einem ländlichen Raum das Maximum erreicht was ich erreichen konnte. Vom Jugendlichen Aktionismus über Kommunalpolitik und die professionelle Tätigkeit als Sozialarbeiter war alles dabei um Jugendarbeit und somit auch Gesellschaft hier in dieser Stadt zu gestalten. Ich habe für meine individuelle Entwicklung als Privatperson sicher einige Fehler gemacht, aber ich weiß heute wer wie zu der Arbeit steht die ich in Grimma gemacht habe. Ich bin auch froh einigen Menschen und Gruppierungen auf die Füße getreten zu sein, denn vielleicht denken Sie zukünftig über ihr tun und handeln nach. Ich bin froh und dankbar für jeden Menschen der mich und das Projekt in den letzten Jahren unterstützt hat und es auch weiterhin tun wird. Mittlerweile ändert sich mein Blick auf Grimma und ich sehe das es viele Menschen gibt die diese Stadt nicht der Hegemonie überlassen wollen und die mir und uns stets zur Seite standen und die das Potential in Jugend und Jugendarbeit sehen.

Für mich bedeuten all diese Erkenntnisse erst einmal runter fahren, wieder zu mir selbst kommen und vor allem die Perspektive wechseln um vielleicht neue Kooperationen und Bündnisse hier in Grimma und darüber hinaus einzugehen. Es gibt viele Baustellen, angefangen von der Sozialen Arbeit mit meinem Aktionsfeld der Jugendhilfe, die politischen Machtverhältnisse in den Parlamenten, zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft und die Verschiebung von Diskursen. Irgendwo kommt dann auch wieder die Gestaltung von Gesellschaft und einem Miteinander hier in Grimma, aber dort bin ich glaub grad eher überflüssig und kann wahrscheinlich vor meinem Rechner und als Privatperson mehr bewirken als ich es als Sozialarbeiter oder Kommunalpolitiker könnte. Dies befreit denn ich merke zunehmend wie sich meine Perspektive auf diese Stadt verändert und wie ich mit Menschen völlig neu ins Gespräch komme. Das macht Spass und ich bin gespannt was daraus wird. Als Sozialarbeiter ist der Landkreis Leipzig und die Stadt Grimma für mich verbrannte Erde, aber ich bin eben nicht nur Sozialarbeiter sondern Mensch, Antifaschist und Anarchist und diese Energien möchte ich wieder frei setzen und die Kraft dafür ziehe ich aus einem Privatleben welches ich mir zunehmend wieder aufbauen möchte!

LET’S START IT AGAIN als Mensch und Bewohner einer sächsischen Kleinstadt!

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE…!!!

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5 Kommentare

  1. Lieber Tobias,
    Es gibt auch Menschen, denen das Weihnachtsfest mehr bedeutet als Märchenfilme anschauen. Wir Christen sehen darin die Ankunft von Jesus und das nicht nur vor 2000 Jahren in der Krippe sonder heute und jetzt immer wieder neu in unsere Herzen. Und besonders an Weihnachten dürfen wir uns besonders daran erinnern. Aus dieser Freude heraus kommt der Wunsch seine Freunde mit andere zu teilen was wahrscheinlich der wahre Grund ist warum sich die Mensch zu Weihnachten beschenken. Unsere Hoffnung darf es sein, dass Gott oder/und Jesus oder/und der Heilige Geist zu allen Menschen kommt. Und das egal oder sie „dazu gehören“ oder nicht. Ob sie arm sind oder reich, ob sie glücklich sind oder verzweifelt. Alles egal, nur wir müssen es zulassen und uns nicht verschließen. Weihnachten ist deshalb auch das Fest der Freude. Selbst dann Freude wenn wir Menschen um uns erleben die ein Gedankengut verbreiten deren Meinung wir nicht sind. Nicht immer steht es in unserer Macht mit Argumenten dem zu begegnen, aber wir dürfen unsere Sorgen auch diesbezüglich vor die Krippe legen. Nicht das es damit erledigt währe sondern in der Hoffnung Gott wird uns helfen! Das gilt auch für alle anderen Sorgen die uns begleiten. In der Kirche ist die Freude so groß, dass sie nicht am 6. Januar mit der Ankunft der hl. drei Könige endet sondern über viele Wochen noch im neuen Jahr andauert. Aus dieser Freude heraus gehen wir mit unseren Kindern von Haus zu Haus und bringen den Segen von Weihnachten denen die ihre Türen öffnen und schreiben es über die Tür. Damit man sich das ganze Jahr über an diese Freude erinnern kann, denn das Leben besteht nicht nur aus nicht enden wollender Freude. Manchmal wird es sehr dunkel um uns herum.
    Lieber Tobias,
    ich wünsche dir und den Menschen die dir besonders wichtig sind, etwas von der weihnachtlichen Freud zu spüren und die Hoffnung das es weit mehr Menschen gibt die guten Willens sind als jene die Böses um sich herum verbreiten.

    1. Lieber Hannes,

      ich bin da leider nicht ganz so zuversichtlich wie du, denn ich denke nicht das irgendein Gott, irgendeiner Religion unsere Gesellschaft wieder zusammen rücken lässt, denn leider habe ich häufig erlebt wie durch die Götter Menschen entzweit werden. Auch wenn in den Büchern wie Bibel oder Koran, etc andere Sachen drinnen stehen! Wir sollten über all die Sachen das ganze Jahr nachdenken und nicht nur an Weihnachten, das wäre wichtig und ich weiß das du zu denen gehörst die das tun. Ich wünsche dir auch alles gute und hoffe du spürst die Hoffnung auch an all den anderen Tagen;-) Ich werde es tun;-)

      Solidarische Grüße und alles Gute auch für das kommende Jahr bei deinem Engagement

      Tobias

  2. Wahr, traurig, ermutigend! 😀 Aber diese Aussage, naja ;)!!
    „Dabei muss man* wissen das ich Reggae oder besser gesagt diese esoterische Hippie – Batik“ – „ich lieg im Gras und beobachte die Grashalme, wodurch die Welt besser wird“ – Kultur nicht so wirklich mag, aber um mich geht es eben beim Projekt nicht.

    1. Du weißt wie die Aussage gemeint ist und sie eignet sich einfach wunderbar um den Unterschied zwischen Projekt und mir als Privatperson zu beschreiben. Ich glaub die Letzte Veranstaltung die ich als Privatperson organisieren würde wäre eine Reggaeveranstaltung und mit dieser Aussage und auch an dem Beispiel lässt sich das gut verdeutlichen. Ich mag ja sogar die Musik, aber du weißt das ich mit der beschriebenen Mentalität nicht klar komme. Deshalb wollte ich das auch so mit rein schreiben um zu verdeutlichen das es einen Unterschied zwischen mir als Privatperson und mir als Sozialarbeiter gibt. Ich hätte bestimmt auch ein anderes Beispiel finden können, aber das ist einfach sehr plakativ!

      SoliGreetz
      dein Pu

  3. Ja, ich weiß wie du es meinst! Insgesamt gut reflektiert und es beschreibt wirklich gut! Danke auf jeden Fall für dein Dienst als Sozialarbeiter und auch als Mensch/Freund in dieser teilweiße trostlosen Zeit!

    Soligreetings

    Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten/leben ist ein Erfolg.

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