#saveyourhinterland – voice of a socialworker

Zur Erläuterung meiner Rolle und der Rolle der Jugend, für Erwachsene Menschen und politische sowie zivilgesellschaftliche Akteur*innen-Gruppen.

„Sozialarbeit ist […] als ein Kampfplatz der verschiedenen Klassen und sozialen Gruppen zu verstehen, in dem die sozialpädagogischen Akteure, Gruppen und Interessen aktivieren, die selbst außerhalb der Sozialarbeit liegen.“ (Hirschfeld S. 70)¹

Nach mehr als 15 Jahren aktiver Mitgestaltung des jugendkulturellen Crossover Festivals in Grimma und zahlreicher anderer Veranstaltungen, 7 Jahren kontinuierlicher konzeptioneller Arbeit im Sinne der Entwicklung einer Basiskonzeption zum Projekt „Dorf der Jugend“, 9 Jahren politischer Beteiligung durch Mitwirkung im Stadtrat der Stadt Grimma und 5 Jahren Tätigkeit im Kreistag des Landkreis Leipzig, ist es, durch den sich bahnbrechenden Konflikt, der sich um meine persönliche Haltung als Humanist, Anarchist und Antifaschist entfacht, gelungen, endlich eine Zielgruppe zu aktivieren und zu motivieren, die außerhalb meines Wirkungsradius‘ als Sozialarbeiter steht. Nämlich die politischen Akteure*innen und deren Verwaltungen.

Es ist keine Selbstverständlichkeit die politischen Akteure in Grimma und im Landkreis zu aktivieren, damit sie mit einem Bedürfnis und dem Ansinnen zur Konfliktdebatte auf die Jugendlichen zugehen. Für mich ist dies als Erfolg der Sozialen Arbeit mit den Jugendlichen zu werten.
2012 habe ich gehofft, es aber nicht zwingend für möglich gehalten, dass es mit einem Konzept der Offenen Kinder- und Jugendarbeit machbar ist, Jugend im ländlichen Raum zu aktivieren, zu motivieren und sich eigenständig, entsprechend ihrer gesellschaftlichen Mitverantwortung am Leben im Hinterland zu beteiligen. Darüber hinaus gestalten die Jugendlichen im Dorf der Jugend dieses Leben sogar mit.

Seit dem letzten Jahr kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass das Konzept funktioniert und dadurch die darin beschriebenen sozialpädagogischen Fernziele (Abbau menschenfeindlicher Einstellungen, Wahrnehmung der Jugend als kompetentem Partner, Schaffung von Freiräumen, […]²) greifbarer werden.

Genau dies sollte unsere Arbeit als Sozialpädagog*innen leisten.

Nun kommt dadurch allerdings ein neuer Player in die ländliche Idylle. Einer, der nicht ruhig ist und einer, der nicht angepasst ist, wie es sich die „Alten“ wünschen. Es ist die Jugend, die plötzlich einen „Raum“ für sich beansprucht. Nun soll dies befriedet werden und der Hebel des sich öffentlich als antifaschistisch und anarchistisch positionierenden Sozialarbeiters bietet sich da als einfachster an.

Antifaschismus bildet die Basis einer Demokratie, denn es signalisiert die Ablehnung eines totalitären und faschistischen Systems. Anarchismus ist die Abwesenheit von Hierarchien und damit von Macht und vor allem von Gewalt.
Kurz: Das Ende der Fremdbestimmung und somit die Perfektion der Gleichberechtigung im Sinne einer humanistischen Wertevorstellung und freien Welt. Ein Ideal, ein Traum, eine Utopie!
Das Träumen lasse ich mir nicht verbieten und genau so wenig werde ich es zulassen, dass meine individuelle Haltung zum Anlass genommen wird, um die Jugend zu befrieden oder ständig eines mit dem anderen zu vermischen und dadurch zu reduzieren. Forderungen an mich sind keine Forderungen an die Jugend und an das Projekt. Deshalb werden wir ab sofort diese Trennung konsequent einfordern.

Die Strukturen und die Gesprächsangebote der Jugendlichen sind öffentlich kommuniziert. Nutzt diese. Auch die Jugendlichen werden eure Gesprächsangebote annehmen. Nichts haben wir innerhalb der Arbeit öfter thematisiert, als gegenseitigen Respekt und Empathie.

Möchtet ihr jedoch mit mir sprechen, weil ihr mit Antifaschismus oder Anarchismus und meiner Perspektive auf willkürliche festgelegte Territorialbegriffe wie ‚Deutschland‘ oder ‚Sachsen‘ nicht einverstanden seid, dann projiziert dies nicht auf die Jugendlichen oder den Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit e.V..
Fragt mich als Mensch und wir können miteinander reden. Das „Dorf der Jugend“ existiert und es existiert nicht, weil ich alle Fäden in der Hand halte. Es existiert weil ich meinen sozialarbeiterischen Auftrag, mein 3. Mandat und meine anwaltschaftliche Funkion für die Jugendlichen in und um Grimma als Sozialarbeiter, Stadtrat und Kreisrat ernst genommen habe. Darauf bin ich unheimlich stolz und es macht mich traurig und es verletzt mich das all diese Arbeit, Kraft und Lebenszeit auf angebliche Aussagen und individuelle Interpretationen reduziert wird.

Tobias ‚Pudding‘ Burdukat

ANOTHER WORLD IS POSSIBLE!!!

  1. Hirschfeld, Uwe (2015): Beiträge zur politischen Theorie Sozialer Arbeit; Hamburg: Argumente Verlag
  2. Burdukat, Tobias (2018): Dorf der Jugend, Offene Kinder- und Jugendarbeit im ländlichen Raum, Hochschule Mittweida, Fakultät Soziale Arbeit, Forschungsbericht Nr. 14, März 2018

 

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