Was für ein Wochenende!

Am Freitag den 17.07.2020 veranstalteten Jugendliche die im Projekt „Dorf der Jugend“ ihre Adolesenzphase durchlebten oder noch durchleben, gemeinsam mit #wannwennnichtjetzt eine Ausstellung auf dem Markt in Grimma „Sammelunterkünfte auflösen – jetzt“ um auf die miserablen Zustände in Sammelunterkünften für Geflüchtete Menschen hinzuweisen. Die LVZ (Quelle: Migration pro und contra verfügbar am 19.07.2020) räumte einem Stadtbekannten, recht verwirrten, Kinderclown der für die AfD zur Stadtratswahl antrat und an dem Tag aufgrund von Alkoholkonsum nicht mehr ganz bei Sinnen war, mehr Zeit in diesem Artikel ein, als der interviewten Jugendlichen aus dem Orga Team. Interessant dabei ist, das der LVZ Redakteur auch noch unterschlägt das benannter Clown fürs abhitlern vor den Jugendlichen und der Ausstellung bei der Polizei angezeigt wurde. Aber scheinbar scheint seine Perspektive in Grimma und bei der LVZ mehr Gewicht zu haben als die von Jugendlichen die auf einen absolut desolaten Zustand für Menschen mit Migrationshintergrund hinweisen.

Doch dabei blieb es nicht an dem Wochenende, am Samstag den 18.07. veranstaltete der selbsternannte Bauernführer und Höcke Verehrer Jörg Dornau, Landtagsabgeordneter der AfD in Sachsen, einen Bürgerdialog auf dem Markt in Grimma und präsentierte sich gewohnt Menschenfeindlich. Dabei blieben natürlich Pöbelein gegenüber den Menschen, die mit einem Sitzkreis um den Stand verhindern wollten das Menschen den Stand besuchten, nicht aus und wir wurden als Penner und Asoziales Pack etc. beschimpft. Das ganze klappte allerdings recht lange ganz gut, denn der Bauernführer Dornau musste erst die Polizei rufen die uns dann bat, uns auf die gegenüberliegende Seite des Standes zu setzen. Bauer Dornau führte seine Hetze dann im Internet fort und beschrieb die protestierenden als Merkel Jugend, dabei möchte ich ungern noch als Jugendlicher bezeichnet werden und ich bezweifle das der Rest und auch ich die CDU bei der letzten Bundestagswahl gewählt haben, aber gut er baut sich seine Feindbilder wie er es mag. Mit dem arbeiten hatten sie zumindest bei mir recht, seit 01.07. bin ich Lohnarbeitsfrei! Das eigentlich skandalöse an diesem Tag passierte dann jedoch durch den Oberbürgermeister der Stadt Grimma Matthias Berger, welcher gegenüber den Jugendlichen am Samstag behauptete, die Jugendlichen hätten am Freitag nur Lügen verbreitet und das würde alles nicht stimmen was sie da schreiben und erzählen. (geändert nach Unterlassungserklärung am 31.07.2020 die Aussage basiert auf der Kommunikation zwischen mir und den Jugendlichen, welche die Aktion am Freitag durchführten und am Samstag von Herrn Berger diesbezüglich angesprochen wurden) Hier muss man* wissen das bei der Ausstellung auch Fotos präsentiert wurden und es anonymisierte Zitate von Bewohner*innen gab die auf Plakate gedruckt waren und zum Schutz der Menschen selbstverständlich anonymisiert werden. In dem angesprochenen LVZ Artikel trifft Herr Berger die Aussage das die zitierten Personen nicht existieren, bzw. die namentlich zugeordneten Zitate nicht zu Personen in Grimma passen (bekanntlich ist dies der Sinn von Anonymisierung das keine direkte Zuordnung, zum Schutz der Personen, erfolgen kann) und auch gegenüber den Organisator*innen behauptete er dies dann am Samstag wieder. (geändert nach Unterlassungserklärung am 31.07.2020) Als er gefragt wurde ob er sich die Ausstellung angeschaut hatte und ob er genauer sagen kann was nicht stimmt, antwortete er damit das er weder Zeit für die Ausstellung gehabt hat noch das er sich die Zitate durchlesen konnte.

Passt irgendwie zu seinem Verhalten einfach Sachen zu behaupten, oder auch zu dem Verhalten mit der AfD zu kuscheln und z.B. einen Höcke Auftritt 2019 im Rathaus zu ermöglichen. Es drückt auch, die sich in Grimma immer weiter zuspitzende Jugendfeindlichkeit aus und die Ignoranz gegen offen liegende Probleme mit Jugendlichen, welche entstehen weil es einfach in Grimma nichts gibt für Jugendliche und sie an jeder erdenklichen Ecke zu spüren bekommen das sie in dieser Stadt nicht gewollt sind, solange sie sich nicht dem Kleinstädtische Ideal beugen. Das was es gibt ist ständig damit beschäftigt Steine aus dem Weg zu räumen um halbwegs existieren zu können, aber wenn eine Stadt ein Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Skateboards ausspricht muss man* an dieser Stelle auch denke ich keine weiteren Erläuterungen anführen.

Weiter ging es dann am Sonntag für mich bei einer Familienfeier wo mir mithilfe eines autobiographischen Romans versucht wurde zu erklären, dass das Rassismusproblem doch gar nicht so schlimm ist und es in Afrika auch „Rassismus“ gegenüber Weißen Menschen gibt und überhaupt hätte dies doch alles überhaupt nichts mit uns heute zu tun. Bloß weil Schwarze von Weißen in Ketten gelegt wurden sollen wir uns heute mal nicht so aufregen und dafür können wir ja nun auch nichts. (sic!)

Ja dies ist eine kurze Rückschau auf ein Wochenende in Grimma und nun sitze ich glücklicherweise im Zug nach Leipzig und freue mich auf die Bandprobe und weiß warum ich hier schon eine ganze Weile keine Wochenenden oder Freizeit mehr verbringe.

Ich muss dies aufschreiben und ich muss dies erzählen weil ich der Festen Überzeugung bin das ich es in dieser Stadt nicht mehr lange aushalten werde. Ich will diese Diskussionen und Gespräche nicht mehr führen und ich will mich auch nicht weiter über diese Ignoranz aufregen. Ich werde in diesem Jahr noch in einem Porträt für den MDR sagen (ob’s mit drinnen ist weiß ich nicht) das ich all das, was ich gemacht habe eine Stück weit auch für die Stadt Grimma gemacht habe und vor allem für die Menschen die in dieser Stadt aufwachsen. Es war mir wichtig und ich sehe heute das es etwas gebracht hat und das vor allem wieder Menschen existieren die diesem Kleinstädtischen Irrsinn etwas entgegen setzen. Ich hoffe das all diejenigen die es tun ein stabileres Umfeld haben werden als ich es mittlerweile hab, ich hoffe das sie keine Gespräche mit Freund*innen führen müssen die ihnen erzählen und erklären wollen das man seine Meinung nicht so öffentlich kommunizieren soll und das man* eh viel zu radikal ist in seiner Meinung. Ja das bin ich und ich werde zunehmend radikaler und ich vergrabe mich in die dahinter liegenden Theorien. Ich möchte sagen das ich mich im Bezug auf Meinung sehr weit davon entfernt habe mich darüber mit Menschen zu unterhalten die nicht nach einer anderen Welt ohne Rassismus und Menschenfeindlichkeit jedweder Art streben oder denen Klimaschutz nach wie vor vollkommen egal ist. Ich schaffe es einfach nicht mehr und ich sehne den Tag herbei an dem ich alle dem und vor allem auch Grimma endgültig den Rücken kehren kann und selbst die Kraft habe mich davon zu lösen. Denn mittlerweile fühlt es sich an wie ein Gefängnis, an allen Ecken und Enden Widerstände und kaum Zuspruch. Klar sagen dir Leute du darfst oder sollst nicht gehen, aber das sind sehr wenige, dem Rest ist es egal. Dem Rest ist es egal das ich es in den letzten 10 Jahren in Grimma geschafft habe ein Konzept der emanzipatorischen Jugendarbeit zu entwerfen und neu zu denken was dazu führen kann das ländliche Räume belebt werden und das sich Gesellschaft Stück für Stück ändert. Ich konnte es schaffen das Jugendliche in Leipzig leben und studieren, aber mehrmals die Woche nach Grimma kommen um sich hier zu engagieren, obwohl sie dies auch in Leipzig könnten.

Ich bin es leid mich dafür zu rechtfertigen das ich bin wie ich bin, nur weil andere nicht in der Lage sind mich so anzunehmen wie ich bin. Ich möchte das nicht mehr und ich werde versuchen dies alles hinter mir zu lassen. Es hält mich nichts mehr in dieser Kleinstadt, auch wenn sie schön ist und mit der Spitzenfabrik ein wunderschöner Ort geschaffen werden konnte. Ich werde diesen Ort noch ein Stück auf seinem Weg begleiten, aber ich möchte Grimma, die Stadt und auch weite Teile der Bevölkerung nicht mehr begleiten. Sie sind mir egal, ich möchte mit ihnen nicht mehr diskutieren oder sie von etwas überzeugen. Ich weiß was ich in den letzten Jahren gemacht habe und auch wenn ich damit nie das große Geld verdient habe konnte ich von meiner Utopie, einem anderen, menschenfreundlicheren Grimma und einem freundlicheren ländlichen Raum, leben und denke das ich weiter gekommen bin als andere die ähnliches versucht haben. Ich möchte meine individuelle Utopie auch nicht mehr debattieren, über sie diskutieren oder sie gar verwerfen. Ich habe solange alleine klar kommen müssen das es mir schwer fällt mich in Aushandlungsprozesse zu begeben. Ich bin Anarchist und ich brenne für diese Idee, aber ich weiß das ich es nicht mehr schaffe mich in Konsensdebatten zu Grundsatzfragen zu begeben. Ich möchte diese Debatten führen, aber ich möchte sie auch verlassen können und ich möchte das ich so akzeptiert werde wie ich bin! Ich bin es leid als entartet in dieser Stadt angesehen zu werden und angepöbelt zu werden nur weil ich auf meine Art und Weise versucht habe etwas für Grimma, die Jugend im ländlichen Raum und gegen Nazis zu tun und dabei vollkommen vergessen hab das ich hätte auch mal etwas für mich tun können!

Freiheit bedeutet nicht das tun zu müssen was man* nicht tun will und Freiheit ist in diesem Fall NEIN zu sagen. Nein zu Kompromissen mit Konservativen und Reaktionären Kräften die diese Stadt und Sachsen durchziehen. Ich will mit diesen, an der Vergangenheit klammernden pseudo Weltversteher*innen nichts mehr zu tun haben, ich will nicht mit ihnen reden, ich will sie nicht verstehen und schon gar nicht will ich meine Zeit damit vergeuden mit ihnen zu diskutieren. Politik und die uns umgebende Demokratie ist immer ein Kompromiss und jetzt kommt ein Satz den sich das Jugendamt des Landkreises Leipzig wahrscheinlich sehr gewünscht hätte vor einem Jahr. Ich bin kein Demokrat und ich möchte keine Demokratie in der Minderheiten ignoriert und Kompromisse zu Lasten von Menschen eingegangen werden. Ich möchte eine Gesellschaft in der Gleichberechtigung die Freiheit aller bedeutet und wir Freiheit als ein Gut verstehen welches nur erreicht wird wenn alle Menschen frei sind.

…another world is possible!!!

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