In meinem letzten Blogbeitrag habe ich ausführlich über die Abhängigkeit und die damit verbundene Beliebigkeit von Sozialer Arbeit in ihrer heutigen Form geschrieben. Den Beitrag „Wie Soziale Arbeit sich selbst ersetzbar macht!“ findet ihr über die Verlinkung oder beim stöbern auf dem Blog.

Nun sieht mein gegenwärtiger Alltag so aus das ich genervt und gestresst bin von Videokonferenzen und Chat Meetings, das mit großer Freude im letzten Jahr in Angriff genommene Masterstudium stellt eine enorme Belastung dar, da es einen gewaltigen Unterschied zwischen einer Präsenzvorlesung und einer diffusen Aufgabenstellung, über die absolut nicht auf solche Situationen vorbereiteten Onlinetools der Hochschule wie Opal, gibt. Allerdings ist es irgendwie eine Ausnahmesituation und somit versuche auch ich mich mit dieser Situation zu arrangieren.

Vielmehr mache ich mir jedoch Gedanken darüber, das ich jetzt in den letzten Wochen Artikel und Beiträge gelesen hab (auch dank einiger Professor*innen an der HTWK in Leipzig die das Thema in die Onlinevorlesungen getragen haben) die im Grunde meine Ausführungen zur Sozialen Arbeit im letzten Beitrag mehr als bestätigen. Da wäre einmal ein Text vom adis e.V. (Tübingen) der sich mit Sozialer Ausgrenzung und Social Distancing auseinandersetzt (Social Distancing vor dem Hintergrund Sozialer Ausgrenzung verfügbar am 16.04.2020) und der leider sehr genau verdeutlicht das es über viele Jahre hinweg versäumt wurde das sich marginalisierte Gruppen, mit Hilfe emanzipatorisch orientierter Sozialer Arbeit, organisiert haben und somit in der aktuellen Situation einfach bisherige soziale Unterschiede noch viel deutlicher werden. Diese Unterschiede gehen soweit das Menschen einfach vollkommen hinten runter fallen. Von einer gerechten Umverteilung (nicht nur ökonomisch betrachtet) für alle Menschen sind wir weit entfernt! Die Spitze des Eisberges hat dann solche Auswirkungen das ein Sozialstaat Erntehelfer einfliegen lässt um Spargel zu ernten, aber an den Europäischen Außengrenzen Tausende Menschen zum sterben zurück gelassen werden. Das ist, wie gesagt, nur die Spitze von einem Eisberg der die Schieflage unseres Sozialsystems verdeutlicht und den ich exemplarisch heran ziehe, weil alle anderen Ausführungen zu tief gehen würden. Dazu lest bitte die Texte wie von adis e.V..

Zu alle dem kommt hinzu das Soziale Arbeit einfach auch nicht in der Verfassung ist hier Machtvoll zu agieren, da Soziale Arbeit schlichtweg keine Macht im Rahmen des Sozialstaates hat und vor allem auch keinerlei Relevanz hat, in den Köpfen der Politik und in den Köpfen der Menschen abseits ihrer Arbeitsfelder. Leider.

Frau Prof. Dr. Leonie Wagner (HAWK Hildesheim) schreibt in einem Beitrag: „Dies ist vielleicht auch ein Zeichen, dass Disziplin und Profession sich lange Zeit eher wenig politisch positioniert und eingemischt hat. Damit wurde auch versäumt, auf die Zusammenhänge von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung hinzuweisen bzw. diese notwendige Einheit im politischen und öffentlichen Bewusstsein stark zu machen. Gerade angesichts zu erwartender Einsparungen in der sich abzeichnenden ökonomischen Krise müssen solche Zusammenhänge laut und vernehmbar vorgetragen werden.“ (Soziale Arbeit muss als „systemrelevant“ eingestuft werden verfügbar am 16.04.2020)

Das verabschiedete Sozialdienstleistungsgsetz (kurz: SodEG) verpflichtet Träger der Sozialen Arbeit, erstmal nachzuweisen ob sie Systemrelevant sind und somit weiterhin Förderung erhalten können! BITTE WAS könnte man* jetzt meinen, aber nein die Soziale Arbeit wird genau so behandelt weil sie sich schon immer so hat behandeln lassen. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind da ja nur ein Beispiel. In der jetzigen Situation wird noch einmal so richtig nachgetreten und dann wird sich die Frage gestellt, hach warum ist denn die häuslich Gewalt so sehr angestiegen, warum sind Jugendliche plötzlich noch weiter ins Abseits gerückt, warum, warum, warum…! Wer soll dann wieder Feuerwehrmäßig nach der Pandemie dafür sorgen das dies alles halbwegs geregelt wird? Richtig die Soziale Arbeit! Ich kann für mich sagen das ich dieses Spiel nicht mitspielen werde, wenn die Soziale Arbeit das mit sich machen lassen wird muss ich mir ernsthafte Gedanken über den Namen dieses Blogs machen, aber vielleicht nutzen wir jetzt auch mal diese Situation und machen mal unseren Rücken gerade und stehen ein, für eine Soziale Arbeit die nicht nur ihre Klient*innen empowern und emanzipieren kann sondern die dies auch für sich selbst schafft.

Wir sind wahrscheinlich nicht Systemrelevant in diesem neoliberalen System und damit irrelevant für das was zählt, die wirtschaftliche Stabilität, aber wir sind Gesellschaftsrelevant und Menschenrechtsrelevant. Diese Relevanz müssen wir uns nicht erbetteln, wir haben sie als Profession im Sinne der Menschen schon immer gehabt und jetzt ist der Moment wo wir für diese einstehen und kämpfen sollten!

Kaum eine relevante Medienquelle hat mal eine*n Sozialarbeiter*in gefragt wie er oder sie die jetzige Situation einschätzt und dies ist Aussage genug. Hauptsache die Lobbyverbände sichern sich ihr Einkommen, wie die Sozialarbeiter*innen und die Profession dies sieht wird missachtet, aber dies verdeutlicht einfach nur, wie es um die Soziale Arbeit tatsächlich steht.

Vielleicht ist dies die Chance die wir gebraucht haben um zu erkennen das wir mehr sind als Erfüllungsgehilfe der Behörden und mehr als die Feuerwehr für gesellschaftliche Fails!

Another world is possible…!!!

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1 Kommentar

  1. Der 15. Kinder- und Jugendbericht hat zum Beispiel die JUGEND erforscht und die Ergebnisse sind auch zusammengefasst mit : „die Bundesregierung empfiehlt ….“ . Schlaue Köpfe und Praktiker*innen haben geforscht und überzeugt. Weil das so garkeine Rolle gespielt hat und noch wenig spielt, sollten wir fragen „warum“ wir so wenig Biss haben. Und dann zubeißen.

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